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Beschneidung ist ein Ritual - dagegen wirkt Aufklärung besser als
ein Verbot finden SZ-Leser.
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Ein
Ölgemälde der nigerianischen Künstlerin Helen Idehen
mit dem Titel
"Die Unerfüllte" aus der Ausstellung "Genitalverstümmelungen
an
nigerianischen Frauen: Nigerianische Künstler klagen an".
Foto: ddp |
In "Verfolgt von einem Verdacht" (28. Januar) beschreibt Bernd
Dörries das Problem der Beschneidung. In Deutschland gibt es Organisationen,
die das Ziel haben, weibliche Genitalbeschneidung zu bekämpfen. In
diesem Kampf werden hauptsächlich zwei Richtungen verfolgt.
Die eine Richtung wird größtenteils von deutschen Aktivistinnen
vertreten. Diese Gruppe sieht die Problematik als eine Menschenrechtsverletzung
an. Deshalb wollen sie besonders durch gesetzliche und behördliche
Maßnahmen ihren Kampf gegen weibliche Genitalbeschneidung durchführen.
Deshalb gibt es schon bei den Begrifflichkeiten Streit zwischen den Afrikaner
und den Feministinnen. Wie unser Verein, "Deutsch-Afrikanischer Ärzteverein
in der BRD e. V.", aus unseren Präventionskampagnen und Informationsveranstaltungen
mit afrikanischen Vereinen und Communities weiß, lehnen hiesige
Afrikaner den Begriff "weibliche Genitalverstümmelung"
ab und bevorzugen den milderen Begriff "weibliche Genitalbeschneidung".
Die Arbeit dieser Aktivistinnen beruht darauf, dass sie bei jeglichen
Verdacht und Gerüchten Hinweise an Behörden, etwa Jugendämter
und Gerichten weiterleiten und Druck ausüben. Diese Methoden haben
dazu geführt, dass Mädchen und ihre Eltern "sich terrorisiert
fühlen" und Unruhe und Misstrauen in den Communities entstehen.
Einige Aktivistinnen verneinen die Fähigkeit von Afrikanern zu lernen
und zu verstehen und betrachten unsere kultursensible Betrachtungsweise
als "Illusion". Diese Aussagen wurden von Frau Ines Laufer persönlich
uns gegenüber geäußert. Diese Haltung ist nicht nur rassistisch,
sondern auch verletzend. Gleichzeitig wirkt sie sich auch kontraproduktiv
aus auf den Erfolg der Bekämpfung und Beendigung der weiblichen Genitalbeschneidung.
Die überwältigende Mehrheit, der in Deutschland lebenden Afrikaner,
auch medizinische Fachkräfte wie wir, setzen sich für eine Überzeugungsarbeit
von den Zielgruppen ein. Durch ihre Erfahrungen mit ihren Landsleuten
sind sie näher an den Hintergründen, die zur Ausübung dieser
gesundheitsschädigenden Praktik führen. Weibliche Genitalbeschneidung
wird nicht in allen afrikanischen Ländern praktiziert. In den ethnischen
Gruppen, die noch diese Praxis ausüben, sind unter anderem kulturelle,
religiöse und gesellschaftliche Aspekte von ausschlaggebender Bedeutung:
Schönheit, Reinheit, religiöse Haltungen, Verhinderung von Unmoral
und Sittenlosigkeit, Mythen und Irrglauben oder Initiationsritus.
Die über Jahrtausende alte Praxis der Beschneidung von weiblichen
Genitalien hat sich im Laufe der Zeit zu einer Kulturpraktik entwickelt
(Sie war auch noch bis 1921 in Europa und Amerika als medizinische Behandlungsmethode
verbreitet). Genau wie in Europa durch Aufklärung und Informationen,
frauenunterdrückendenden Praktiken etwa Keuschheitsgürtel, Hexenverbrennung,
beendet worden sind, glauben wir, mit geduldiger Überzeugungsarbeit
die weibliche Genitalbeschneidung zu beenden.
Wir sind der Meinung, dass exakte und korrekte Informationen über
all diese Probleme entscheidend sind, denn Eltern, die es zulassen, dass
ihre Töchter beschnitten werden, tun dies aus ihrer ureigenen kulturellen
Identität heraus. Menschen ändern ihre Verhaltensweisen nur,
wenn sie einsehen, dass ein neues Verhaltensmuster genauso nützlich,
funktionell und effektiv wie das alte ist. Deshalb ist es unser Ziel,
die Menschen zu überzeugen, dass sie diese Gewohnheiten hinter sich
lassen, ohne nützliche Teile ihrer eigenen Kultur aufzugeben.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Menschen die Verbindung zwischen
den beschriebenen Ritualen und Traditionen und den Problemen unter denen
die Frauen und Mädchen zu leiden haben, nicht realisieren. Diese
Wechselwirkungen müssen dokumentiert werden, und die Menschen sollten
darüber auf eine einfache aber dennoch angemessene Weise aufgeklärt
werden. Dazu gehören auch Aufklärungen über das deutsche
Gesetz, das die weibliche Genitalbeschneidung in der BRD verbietet und
bestraft.
Eltern sind auf der ganzen Welt gleich - sie wünschen für ihre
Kinder nur das Beste. Sie werden eine Veränderung akzeptieren und
ihre Kinder schützen, wenn sie den Nutzen für ihre Kinder erkennen;
besonders wenn ihnen die daraus resultierenden gesundheitlichen, sozialen
und ökonomischen Vorteile für ihre Töchter bewusst werden.
Dr. med. MBoyo Likafu
Herr Dr. Abusara Kangoum
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